Kurze Zeit nach der Demontage der Verstärkung (siehe: Beitrag „Fliegengitter ausgeharkt“) hat es uns erwischt: Plötzlich ließ sich unsere Insektenschutztür nicht mehr richtig zusammenschieben. Auf den letzten 50 cm ging nichts mehr.

Oben und in der Mitte des Fliegengitters war alles einwandfrei, aber je tiefer es ging, desto ausgebeulter wurde es. Irgendwo lag ein Defekt vor, der schnellstmöglich behoben werden sollte. Was wir zwecks Behebung des Malheures getan haben, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Hinweis: Wer keine Lust auf Prosa hat, findet weiter unten die Reparaturanleitung in kürzerer Form.

Zuerst: Ursachenforschung

Die Ursache ließ sich anfangs gar nicht so leicht finden. Und, was macht der Verbraucher von heute in einem solchen Fall? Genau! Er schaut sich das Problem an, nickt zwei bis dreimal wissend, philosophiert gegebenenfalls noch ein bisschen mit seinem Partner respektive Partnerin über etwaige Fehlerquellen und fragt dann…Google!

Dank Internet war die Diagnose schnell gestellt: Die Ummantelung unseres Plissee-Fadens hatte sich gelöst und verhinderte somit, dass sich das Fliegengitter korrekt zusammenfaltete. Eine für uns hilfreiche Montage- oder Reparaturanleitung, fanden wir leider nicht.

Was also tun, sprach Zeus. Neu oder Reparatur? Eine neue Insektenschutztür liegt rabattiert aktuell bei ungefähr 392,00 Euro. Wir wissen nicht, was eine Reparatur tatsächlich gekostet hätte. Im Netz hatten wir Preise zwischen knapp 280,00 Euro und 370,00 Euro gefunden. Wie auch immer: es war uns einfach zu teuer.

Teamarbeit

Das World Wide Web brachte uns nicht die erhoffte Lösung. Also schliefen wir noch eine Nacht und hofften, auf diesem Wege vielleicht zu der ersehnten Eingebung zu erlangen. Da diese ausblieb, widmete sich Rabbi am nächsten Tag, wie gewohnt, voll und ganz seinem Job. Ich brütete über meiner Kaffeetasse. Plötzlich hatte ich nur einen Gedanken: „Ach, Scheiß drauf“. Wie von der Tarantel gestochen löste ich mich aus meiner Denkerpose und fing an, die schwarze Kunststoff-Verkleidung langsam von unten nach oben zu entfernen.

Da das Abziehen tatsächlich besser klappte, als gedacht, war die Motivation natürlich riesig, weiterzumachen. Nachdem Rabbi die Geräuschkulisse nicht mehr ignorieren konnte, war klar: wir machen als Team weiter.

Die große Herausforderung für uns sollte aber noch folgen: wie löst man Sika, wenn man kein vernünftiges Werkzeug hat? Zur Verfügung standen uns ein Cuttermesser aus dem Jahre 1820 und ein weiteres aus dem Jahre 1910. Beide hervorragend dafür geeignet, bis nach Meppen-Ost zu reiten.

Nach langem Suchen schlurrte Rabbi das dritte stumpfe Messer an. Das taugte auch nichts. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als zu improvisieren. Das, was wir dann machten, darf man eigentlich niemanden erzählen: Bewaffnet mit einem Porzellan-Kartoffelschälmesser und Gummihammer bin ich angefangen, die Sika-Verklebung so vorsichtig, wie möglich, zu lösen. Rabbi folgte meinen Meißel-Spuren mit seinem stumpfen Brotsägemesser. Vielleicht nicht ganz Profi-konform, aber erfolgreich: nach einer Stunde hatten wir den Rahmen des Insektenschutzes von der Rückseite der Küchenverkleidung gelöst und, was noch viel wichtiger war – trotz des rudimentären Equipments, hatte unsere Elfie keine weitere Blessuren zu verzeichnen. Der Rest ging fix. Nur noch ein paar Schrauben lösen. Das war es.

Off-Topic: Für alle unter Euch, die gerade mit Ihren Teenagern kämpfen: Das Abtrennen von Sika-Verbindungen ist die perfekte Aufgabe, wenn es mal nicht so läuft, wie Ihr wollt. Ein gewisses Grundvertrauen sollte allerdings vorhanden sein, sonst ist Eure Küchenverkleidung im Eimer.

Neue Schnüre mussten her

Laut der „alten Hasen“ im Wohnmobilbusiness kann man bei der Reparatur des Insektenschutzes anstatt einer Plissee-Schnüre besser auf Angelschnüre oder noch besser auf Nylonfäden zurückgreifen. Wir haben uns für Letztere entschieden. Rabbi ist dann zum Baumarkt gedüst, um Sika, Klebeband und Polyamid-Band zu besorgen. Ich kümmerte mich derweil um die überschüssigen Klebereste an der Küchenrückwand.

Wieder zurück am Ort des Geschehens, ging das Einfädeln los. Unsere Stopfnadeln hatten leider entweder einen zu kleinen Kopf für den Nylon-Faden oder einen zu großen für die Kästchen im Fliegengitter. Also haben wir es letztlich ohne weiteres Werkzeug gemacht. Zum Glück hatte sich bei uns lediglich die Ummantelung des Fadens gelöst. Wir konnten folglich den alten Faden erst so gelassen, wie er war und parallel dazu das Polyamid-Band eingefädelt.

Man wird ein bisschen duselig im Kopf, wenn man die ganze Zeit, in gebückter Haltung auf diese kleinen Kästchen des Insektenschutzes guckt. Insbesondere, wenn man das Ganze bei 30 Grad Außentemperaturen macht. So machte es Sinn, dass einer fädelt und der andere in kleineren Abständen kontrolliert, ob er dies auch richtig macht. Zum Beispiel keine Schlaufe vergisst oder das falsche Kästchen nimmt. Natürlich durfte der ach so typische Ehediskurs auch nicht fehlen „Du machst das falsch“ – „Du hast doch keine Ahnung! Was machst Du denn da bloß? – Oh mein Gott!“ und so weiter.

Stolz, wie Bolle!

Nach 6 Stunden waren wir fertig. Hände und Rücken taten uns weh, aber wir waren stolz, wie Bolle! Es passte alles. Sämtliche Anbauteile abschließend wieder montiert, wurde zunächst getestet: Tür – auf – zu und wieder auf. Funktionierte! Ganz zum Schluss haben wir die Schnüre eingekürzt und an ihren Enden gut verknotet. Voilà!

Das war die lange Version, die kurze Version findet Ihr hier:

Benötigtes Werkzeug:

  • scharfes Cuttermesser
  • kleiner Schlitz-Schraubendreher
  • kleiner Kreuz-Schraubendreher (M3)
  • Kreuz-Schraubendreher (M4/ M5/ Spax)
  • Inbus (2/3)
  • Gottvertrauen

Benötigtes Material:

  • Power Bond
  • Sika oder Alternative
  • Polyamid-Garn

Step 1: Schwarze Verkleidung abnehmen. Langsam von unten nach oben abziehen. Bei uns war die Verkleidung mit einem doppelseitigem Klebeband fixiert.

Step 2a: Rahmen der Insektenschutztür demontieren. Dazu im ersten Schritt die Schraube am Rahmen des Fliegengitters lösen. Unsere Schraube war sowas von dämlich eingedreht, das erschwerte die Demontage etwas. Ohnehin solltet Ihr darauf gefasst sein, auf Installationen à la Quick-and-Dirty-Manier zu treffen.

Step 2b: Insektenschutzrahmen von Küchenverkleidung lösen. Tipp: Auf der Küchenverkleidung sitzt noch eine weiße Schutzleiste (seht Ihr, wenn Ihr Euch im Inneren des Fahrzeuges befindet und vor dem Spülbecken steht). Am besten abnehmen, damit diese nicht beschädigt wird. Achtung: die Küchenverkleidung ist nur Presspappe. Als Klebemittel wurde unter anderem Sika verwendet. Die Reste solltet Ihr ablösen, sodass der neue Kleber später hält. Nehmt Euch auch hierfür am besten ein Messer oder Schaber. Wir haben es zuerst mit den Fingern versucht und einige Blessuren davon getragen.

Step 3: Führungshalter an den Seiten rechts & links unten lösen. Die Abbildung zeigt nur die rechte Seite. Links sieht es etwas anders aus. Die Schrauben sind die gleichen. An dieser Stelle sind nicht nur die beiden auf dem Bild sichtbaren Schrauben zu lösen. Rechts unten seht Ihr eine kleine Madenschraube, die das Fadenende fixiert, diese bitte auch rausschrauben. An der oberen Laufschiene befindet sich ebenfalls eine solche Schraube, auch hier bitte rausschrauben, sonst könnt Ihr später die Insektenschutztür nicht abnehmen.

Step 4: Insektenschutztür inklusive Rahmen abnehmen. Nachdem alle Schrauben gelöst sind, kann der Insektenschutz abgenommen werden. Am besten zunächst auf einer möglichst geraden Unterlage ablegen.

Step 5: Rahmen auseinander bauen. Wenn wir von „rechts“ und „links“ sprechen, bezieht sich das immer auf die Draufsicht (man steht vor der Fliegenschutztür und guckt direkt darauf). Tipp: Am besten macht Ihr vor jedem weiteren Schritt ein Foto, sodass Ihr sehen könnt, wie die Fäden in den einzelnen Führungen zusammenlaufen und später wieder zu fixieren sind.

Oben rechts Fadenführung
Oben rechts
Oben rechts
Unten rechts
Unten rechts Fadenführung
Unten rechts
Unten links
Unten links
Unten links

Step 6: Fliegengitter vorsichtig! aus dem Rahmen ziehen. Der eigentliche Stoff der Insektenschutztür ist an seinen Seiten verstärkt. Diese Verstärkung dient als Verbindung zum Rahmen, ist nicht verklebt und lässt sich somit einfach entfernen.

Step 7: Nun beginnt der Spaß des Einfädelns. Tipp: Wenn möglich, lasst den Originalfaden noch im Fliegengitter. Er dient Euch als Anleitung, wie der neue Faden bzw. die neuen Fäden zu führen sind.

  • Eine Faden-Führung verläuft von unten bis zur Mitte
  • Eine weitere Faden-Führung von oben bis zur Mitte

Am Ende sind die beiden Fadenenden zusammenknoten (provisorischer Knoten, damit nichts mehr ausfädeln kann)

Step 8: Insektenschutz wieder vorsichtig! in den Rahmen schieben. Zunächst das Fliegengitter mit Hilfe der neuen Fäden zusammenziehen. Anschließend diese an ihren Enden auf Länge angleichen. Nun könnt Ihr die alten Fäden vorsichtig! entfernen. Abschließend den Stoff an der Seite seiner Verstärkung in den Rahmen schieben.

Hinweis: Bei uns befanden sich auf einer Seite des Fliegengitters zwei Klebestreifen über dem eigentlichen Plissee-Faden. Wahrscheinlich, um zu verhindern, dass dieser durch Bewegung aufraut. Diese Klebestreifen haben wir nicht wieder angebracht. Das war ein zu großes Gefummel für uns.

Step 9: Die Kunststoff-Anbauteile des Rahmens montieren. Tipp: Den Rahmen mit Panzertape oder anderem leicht wieder ablösbaren Material fixieren. Dies hilft Euch bei der Endmontage am Fahrzeug.

Step 10: Den Rahmen des Insektenschutzes fixieren. Dafür Sika oder ein entsprechendes Äquivalent punktuell auf die Küchenverkleidung aufbringen. Schraube am Rahmen wieder reindrehen. Das Ganze beim Trocknungsvorgang mit Klemmen unterstützen.

Step 11: Die Führungshalter aus Kunststoff auf die Leiste schrauben.

Step 12: Schwarze Verkleidung anbringen (Wir haben dazu Power Bond, eine Art besseres doppelseitiges Klebeband, verwendet).

Step 13: Endmontage. Erst ganz zum Schluss, wenn der Test des Öffnen und Schließens erfolgreich war, mittels der Madenschrauben die Fäden fixieren. Abschließend schneidet Ihr die überschüssigen Fäden ab. Achtet darauf, dass Ihr die Fäden zwar fest, aber eben nicht zu fest spannt. Ihr habt es geschafft – herzlichen Glückwunsch!

Step 14: Das Wichtigste zum Schluss: Sich gegenseitig küssen, feiern & Schnaps trinken! Fertig!

Hinweis: Glücklich, wer eine Hebebühne hat. Nach unserer Reparaturaktion sind wir zu der Annahme gelangt, dass man den Rahmen des Insektenschutzes ggf. nicht ausbauen müsste, wenn man über eine Hebebühne verfügt. Dann könnte man wahrscheinlich das Fliegennetz von unten auch so aus dem Rahmen ziehen und wieder einführen. Ob das ohne Hebebühne funktioniert und es ausreichend ist, nur rechts die Halterung zu lösen, werden wir Euch erst sagen können, wenn der Faden das nächste Mal kaputt ist. Und ganz ehrlich: wir hoffen, dass das nicht so schnell sein wird.

Update nach einer Woche: Das Fliegengitter lässt sich jetzt wesentlich leichter zusammenschieben, als vorher. Leider ist diese Leichtigkeit aber auch der Grund, warum die Fliegenschutztür etwas wackeliger erscheint. Insbesondere beim Zurückschieben. Erklärung: Der Polyamid-Faden leistet nicht den Widerstand, den der Plissee-Faden vorher geleistet hat. Wir wollten Euch nur darauf hinweisen.

Von rabbi

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