Gestartet sind wir Anfang September. Nach der Arbeit pirschten wir uns schon mal sukzessive Richtung Süden vor, immer noch ahnungslos, wo es denn wohl hingehen würde…

Tagebucheinträge

Klicke auf den Link des jeweiligen Datums und lese, was wir an diesem Tag erlebten:

Stell Dir vor, Du hast Urlaub und weißt nicht wohin.

Ungefähr so ging es uns noch vor zwei Tagen. Zuerst wollten wir unbedingt nach Estland. Entlang der polnischen Ostseeküste, durch die Masuren, Litauen, Lettland, Russland umfahrend, zurück an die Küste bis nach Tallinn. Man weiß ja heutzutage nie, wen noch so der Hafer sticht. Vielleicht kann man diese Länder in absehbarer Zukunft gar nicht mehr bereisen.

Die Landeskarten für den Baltikum lagen bereits vor. Die Route war grob geplant. Nun kamen die ersten Bedenken – doch lieber in den Süden? Montenegro soll wunderschön sein. Hin- und Rückreisekilometer waren ähnlich viele, wie Richtung Estland. Uns für die zur Verfügung stehenden drei Wochen ein bisschen zu viel.

In unserem alten Leben mit Haus und Hof hätten uns Entfernungen über 3.000 Kilometer nicht geschockt. Da wir allerdings in den letzten fünf Wochen bereits knappe 5.000 Kilometer zwischen Wesermarsch und Ostfriesland zurückgelegt hatten, sehnten wir uns nach einem längeren Aufenthalt an einem Ort, mit einer kürzeren Anfahrt. Hotels oder Ferienwohnung schieden völlig aus. An festen Wänden hatten wir – auch nach über einem Jahr im Kastenwagen – überhaupt kein Interesse.

Mittwoch, 07.09.2022 Abfahrt: GimbteAnkunft: Neuenrade (112 Kilometer)

Die Route von Gimbte nach Neuenrade.

Hin- und hergerissen zwischen Entdeckergeist und unserem Faulpelz-Gen entschieden wir – trotz unserer Unschlüssigkeit – erst einmal Richtung München zu fahren. Nach erfolgreichem Arbeitstag verließen wir unseren Startpunkt Gimbte – einem kuscheligen, kleinen Örtchen zwischen Greven und Münster.

Gimbter Weideland – Ausblick beim Zähneputzen

Gegen Abend erreichten wir Neuenrade im Sauerland. Auf einem tollen Wanderparkplatz machten wir Rast und philosophierten, welche Urlaubswünsche wir hatten: ein bisschen Chillen am Strand, Sightseeing, Wandern und Radfahren. Bezahlbar. Sonne wäre das Sahnehäubchen.

Bei einem solchen Blick schmeckt das Bierchen gleich doppelt so gut!
Unter uns: leben wir nicht in einem landschaftlich wirklich wunderschönen, abwechslungsreichen Fleckchen Erde?!

Off-Topic: Während wir auf diesem kleinen Hügel saßen, beobachteten wir voller Respekt die fleißigen Bauern beim Maiseinholen und Silo-Bauen. Gott haben wir das gut – Landwirt zu sein ist ein echter, wenig honorierter, Knochenjob.

Allez les Bleus!

Im Auto gingen die Überlegungen weiter. Jede Wetterkarte zeigte auf Regen. Rabbi fragte dann irgendwann: „Und was ist, wenn wir doch nach Frankreich fahren? Da soll es tollen Wein und gutes Bier geben.“ Eine überzeugende Argumentation fand ich. Wir sollten dazu schreiben, dass wir als bekennende Italien-Fans um Frankreich bislang immer einen Bogen gemacht hatten. Einen wirklich Grund dafür gab es gar nicht. Es hatte sich einfach so ergeben.

Noch am Abend einigten wir uns also auf Frankreich. Von Brügge aus, an der Küste entlang. Keine großartige Zielplanung, sondern einfach treiben lassen. Das Wetter sollte zwar nicht so dolle sein, aber wir hatten ja uns.

Unsere ungefähre Route – abhängig von Lust und Laune.

Donnerstag, 08.09.2022: Abfahrt: Neuenrade – Ankunft: Werdohl (7 Kilometer)

Die Route von Neuenrade nach Werdohl.

Statt München hieß es jetzt Orsoy. Geographisch gesehen mussten wir ja wieder ein bisschen in die entgegengesetzte Richtung. Den angepeilten Stellplatz im Kreis Rheinberg kannten wir bereits. Ein Bonus für uns: direkt vor der Tür eine Tischtennisplatte. Seit Neuestem hatten wir diesen Sport für uns wiederentdeckt. Mit Leidenschaft bespielten wir die öffentlichen Tischtennisplatten Deutschlands. Ok, seitdem es um Punkte ging, war es mehr Fight Club statt Love Boat. Aber wir hatten dabei immer einen Riesenspass.

Eben noch fix das Klöchen entsorgt und dann ab an den Rhein. Eine Möglichkeit bot uns der Stellplatz Westpark in Werdohl. Ein echt schöner Platz, den sich Wohnmobilisten und Gleitschirmflieger teilten. Dort blieben wir dann auch direkt noch für eine Nacht hängen. Kostenlos, mit Strom und Ver- sowie Entsorgung. Herrlich gelegen. Danke Werdohl!

Die Geräusche der Lenne haben etwas Meditatives an sich.
Blick auf die Lennebrücke.
Die zahlreichen Holzbänke im Westpark laden zum Verweilen ein.
Blick von der Lenne aus. Rabbi fleißig bei der Arbeit.

Freitag, 09.09.2022 – Abfahrt: Werdohl – Ankunft: Budberg (122 Kilometer + Hin- und Hergurkerei)

Die Route von Werdohl nach Budberg.

Dass das Leben Überraschungen bereit hält, ist nix Neues. In unserem Fall hieß die Überraschung: Schützenfest in Orsoy. Zwischen Kinderkarussell und Pommesbude war leider kein Platz für unsere Elfie. So’n Schiet! Nach fünf Stunden Landstraße, waren wir hungrig und hatten keinen Bock mehr, zu fahren. Also suchten wir im Umkreis nach einem neuen Standort für die Nacht.

In Budberg wurden wir fündig. Kurz noch einen Breuler für den Weg und dann ab ins Nachbarörtchen. Beides sollte sich als Reinfall herausstellen: Erstens war der preislich vergoldete Vogel mit Abstand das Trockenste, das wir in den letzten Jahren gegessen haben. Zweitens war der Platz eigentlich nur für PKWs und wurde Nachts noch kurzzeitig zum Place to be der Dorfjugend. Es sei ihnen gegönnt. In Kombination mit den Mücken im Auto, war an Schlaf allerdings nicht zu denken. Die Jagdsaison war eröffnet. So kann man seine Nächte auch rumkriegen – Horrido und Halali!

Samstag, 10.09.2022, Abfahrt: Budberg – Ankunft: Beernem Belgien (290 Kilometer)

Die Route von Budberg nach Beernem.

Mit dem Ziel Beernem in Belgien begann unsere eigentliche Urlaubsreise. Nach dem Frühstück ging es direkt los. Unser Schlafplatz füllte sich zunehmend mit Eltern, die ihre Kids zu einem Fußballspiel brachten. Wir hatten echt schlecht geschlafen und es regnete Bindfäden. Daher haben wir heute kein Foto für Euch. Knappe 290 Kilometer lagen vor uns. Die Route ging über Venlo, an Roermond vorbei, durch Lommel (bekannt aus der Serie Undercover) und Antwerpen.

Man kann es nicht anders sagen, Deutschland hat schon echt schlechte Straßen. Wir sagen inzwischen nur noch Schäden-Straße anstatt Straßenschäden. Belgien steht uns diesbezüglich allerdings in nichts nach. Während wir über die niederländischen Wegstrecken nur so hinweg glitten, kam uns in Belgien fast das Essen wieder hoch. Wir hatten die Wahl zwischen Schlaglöchern, Betonplatten unterschiedlicher Höhe oder Kopfsteinpflaster. Erstaunlich, dass unsere Schränke nicht auseinanderbrachen.

Beispiel für eine der etwas besseren rumpeligen Straßen in der Provinz Flandern.
Antwerpen von seiner antiken und…
….seiner modernen Seite.

Wodurch Belgien jedoch wirklich bestach waren wunderschöne Häuser: alte Klinker, Fensterläden und fantastische Holztüren bzw. -tore. Vor lauter Staunen kam ich leider nicht zum fotografieren. Ich werde es nachholen, versprochen! Morgen geht es aber erst einmal mit dem Fahrrad nach Brügge.

Der Schlafplatz für die Nacht, eng und kuschelig.

Sonntag, 11.09.2022 Brügge sehen, staunen und dann fix die Flucht ergriffen…

Die Route von Beernem nach Brügge mit dem Fahrrad.

Der Wettergott meinte es heute besonders gut mit uns. Der Radtour nach Brügge stand nichts im Wege. Die schlechten Straßen machte Belgien mit seinen traumhaften Radwegen wieder wett. Von Beernem fuhren wir die meiste Zeit an einem Kanal entlang Richtung Brügge. Etwa 13 Kilometer mit dem Rad. Top geteerte Strecke, nur ziemlich frequentiert, sodass das romantische Hand-in-Hand-Fahren schwierig war. Irgendetwas ist ja immer.

Blick auf den Kanal in Beernem.

Nach Brügge-City ging es durch eines der vier historischen Stadttore. Eine feste Route hatten wir nicht. Wir wollten einfach, nach Lust und Laune, ein bisschen durch die Stadt cruisen. Wir befanden uns auf dem sogenannten Ring. Dort war nichts los, herrlich war das. Doch die Ruhe war trügerisch…

Eines von vier historischen Stadttoren Brügges‘.
Blick vom Stadttor aus Richtung Zufahrtsstraße.
Kanal in Ringlage.
Eine von zahlreichen kleinen Gassen, die…
…uns nicht nur durch ihre kleinen, kuscheligen Häuschen…
…faszinierten,…
….sondern insbesondere…
…durch ihre vielfältigen Baustile.
Eingang Gasse Predikherenrei.
Bistro de Schaar.
Belfried auf dem Marktplatz.
Schützengilde St. Sebastian.
Einer der zahlreichen Seitenkanäle von Brügge.
Bockwindmühle St. Janshuis.

Als wir ins historische Zentrum kamen, traf uns der Schlag. Da waren so viele Menschen. Unglaublich. Wir wissen nicht, wann wir das letzte Mal, so viele Leute auf einen Haufen gesehen hatten. Auf dem zentralen Marktplatz verlief es sich noch weitgehend. Jedoch platzen die kleinen Gassen aus ihren Nähten. Uns blieb schlichtweg nur die Flucht nach vorne. Als wir wieder Boden sahen, verschnauften wir erst einmal in einem hübschen Park.

Park Beguinevest.

Vielleicht schleichen wir uns bei der nächsten Reise Nachts nach Brügge, um dieser wundervollen Stadt einen weiteren Besuch abzustatten. Jetzt ging es für uns aber zurück zum Stellplatz.

Sonntag, 11.09.2022 Abfahrt: Beernem – Ankunft: Nieuwport (70 Kilometer)

Die Route von Beernem nach Nieuwport.

Gegen 17:00 Uhr brachen wir Richtung Küste auf. Auf den zurückliegenden 50 Kilometern hatten wir so ziemlich jeden Küstenort mitgenommen. In Wenduine sind wir kurz ausgestiegen und wurden mit einem tollen Strand belohnt. Zwischen Bettenburgen, Villen, kleinen Einfamilienhäusern und Dünen war alles dabei. Für die Nacht suchten wir uns einen Grünstreifen am Kanal, Ortseingang zu Nieuwport. Eigentlich wollten wir uns noch eine Runde ans Meer setzen, aber nachdem es mit dem Parken etwas schwierig war, verschoben wir dieses Vorhaben auf morgen.

Eine von vielen Skulpturen entlang der belgischen Küste (Wenduine).
Strand von Wenduine.
Einladende Sitzgelegenheiten mit Blick aufs Meer. (Werbewirksames Foto)
Von anner Siet. (Nicht mehr ganz so werbewirksames Foto)

Fazit Abstecher Belgien: Schlechte Straßen, tolle Häuser und die muskulärsten Kühe, die wir je gesehen hatten.

Und zum Schluss, wie versprochen, noch ein paar Beispiele für die hübschen belgischen Häuser:

Stadthaus.
Wohnhaus in Kanallage.
Stadthaus.
Einfamilienhaus in der Stadt.
Mal etwas dekadenter…
…mal etwas bescheidener.

Montag, 12.09.2022 Abfahrt: Nieuwport – Ankunft: Dunkerque (40 Kilometer)

Die Route von Nieuwport nach Dunkerque.

Relativ gut ausgeruht ging es heute Richtung Frankreich. Noch eben einen Abstecher nach De Panne, frühstücken am Strand, dann hieß es: Dunkerque wir kommen. Da innerorts allerdings überall in Strandnähe ein explizites Halteverbot für Wohnmobile galt, sind wir hungrig und ohne Stop weitergefahren.

Via Rue Albert ging es in Bray-Dunes über die grüne Grenze. Zu Beginn waren die Häuser ganz schön heruntergekommen. Je weiter wir voran kamen, desto besser wurde es. Witzig fanden wir die Schornsteine, die uns irgendwie an Mary Poppins erinnerten („Chim Chiminey“…Ok, besser nicht singen).

Chimney Pots – wir nehmen an, diese sind vergleichbar mit…
…dem Dohlenschutz in Deutschland. Sehen aber witziger aus.

Gegen Mittag erreichten wir unser Ziel: Dunkerque. Die Stadt präsentierte sich, im besten Spätsommerwetter, von ihrer schönsten Seite. Wir wollten aber keine Stadtrundfahrt, sondern ans Wasser. Dementsprechend steuerten wir den Schlafplatz an, der direkt am Meer liegen sollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit und zahlreichen Schlaglöchern später, waren wir endlich da.

Raffinerien und Chemie-Industrie, soweit das Auge reicht.

Smells like Öl-spirit…

Industrie-Charme und wundervolle Natur liegen dicht an dicht. Noch bevor wir uns einrichteten, wurden die Puschen ausgezogen und dann ab mit den Füßen ins Wasser. Es gab kaum Schöneres. Jedenfalls für mich. Rabbi hasste den sandigen Untergrund, insbesondere zwischen den Zehen.

So ein Herz gehört ja irgendwie dazu, oder? (Rabbi meinte, es sehe mehr aus, wie ein Hintern…)
Man beachte: Rabbi beschuht, Simon barfüßig.

Zwei Strecken führten am Strand entlang. Eine oben auf dem Deich und eine parallel dazu. Überall gab es Möglichkeiten, sich hinzustellen. Auch, wenn einige PKW-Fahrer dachten, es sei eine Rennstrecke – für uns Womo-Fahrer war Schrittgeschwindigkeit empfehlenswerter. Außerdem sah man ja sonst auch nix von der Umgebung. Rein visuell wurden wir jedenfalls nicht enttäuscht.

Rabbi wird direkt zum Spaziergang genötigt.
Ist das nicht geil?

Nun kommt allerdings unser Aber:

Aufgrund der Nähe zur Raffinerie, roch es am Anfang des Deiches ziemlich nach Öl. Weiter Richtung Leuchtturm wurde die Luft zwar besser, aber durch den gegenüberliegenden Industriehafen war es recht laut.

Wir fuhren ein wenig den Deich entlang und parkten schließlich bei einem sehr netten Pärchen auf der Hälfte des Strandes. Natürlich fragten wir vorher, ob das ok für sie sei. War es und so kamen wir direkt ins Schnacken: Beide Mitte/ Ende 30, hatten gerade ihre Jobs gekündigt. Ein Jahr Auszeit und dann gucken, wie es jobtechnisch weiterginge. Das kam uns in großen Teilen irgendwie bekannt vor.

Strandnähe wird hier großgeschrieben.
Blick vom Strand auf eine der Industrieanlagen.

Trotz der netten Nachbarschaft, machten wir uns dann aber doch auf zum Leuchtturm. Der stetige Brummton der Fabrik nervte uns. Das mochte wohl daran liegen, dass man ab Mitte 40 eh schon irgendwelche Töne in den Ohren hatte, bei denen man sich fragte, wo die denn auf einmal herkamen.

Auf dem Weg sahen wir einige Angler. Während wir diese Freizeitaktivität bei uns oben im Norden eher einer Männerdomäne zuschreiben würden, schien es in dieser Region etwas zu sein, dass man gerne als Paar wahrnahm. Die Frau las und entspannte, der Mann angelte und entspannte. Win Win für Beide. Es macht uns Freude, das zu beobachten.

Ein Angler wartet auf die nahende Flut.

Natur und wir

Am Ende des Strandes angekommen, genossen wir die Ruhe und die frische Luft nun doppelt. Es war herrlich, allerdings fehlten Mülleimer. Und gerade diese würden wirklich helfen. Die Leute (wer auch immer) luden ihren gesamten Unrat ab. Es wurde ohne Scham das große Geschäft frei liegengelassen und am Leuchtturm roch es so stark nach Urin, dass wir nicht näher hin sind.

Leuchtturm Feu de Saint-Pol 1937 erbaut.
Unser Blick vom Auto aus.
Rabbi erkundet die Gegend…
…und genießt die Abendsonne.

Es gab für die Nordsee verhältnismäßig wenige Muscheln, dafür tote Krebse. Eine Robbe, die mit der Flut ans Land gespült wurde, war ebenfalls nicht mehr am Leben. In der Bucht konnten wir erkennen, wieviel Abfall im Meer schwamm.

Wir waren verantwortlich, keine Frage, auch, wenn wir sicherlich nicht zu denjenigen gehörten, die ihre Altlasten in die Natur schmissen. Dennoch ganz frei von Schuld waren wir durch unser bisheriges Konsumverhalten nicht.

Dank eines einzigartigen Schauspiels holte uns die Natur aus unserer melancholischen Stimmung: im Licht der Abendsonne konnten wir im Hafen eine Reihe sehr lebendiger Seehunde beobachten. Das war einfach großartig!

Eine spektakuläre Nacht

Nachdem das letzte Schiff gegen ein Uhr Nachts in den Hafen geschleppt wurde, war es superruhig. Die Industrieanlagen wirkten wie brennende Städte – das sah wirklich irre aus.

Lichtermeer der anderen Art.
Von Stromkrise keine Spur.

Dienstag, 13.09.2022 Abfahrt: Dunkerque – Ankunft: Sangatte (53 Kilometer)

Die Route Dunkerque nach Sangatte.

Wie in einem Prospektversprechen wurden wir mit Wellenrauschen, Möwengeschrei und einem traumhaften Himmel geweckt. Aufgrund dessen ließen wir uns heute morgen alle Zeit der Welt. Wir waren ohnehin ziellos. Einzig entsorgen mussten wir. Eine Möglichkeit dazu gab es sieben Kilometer entfernt. Das Wetter war so semi-schön: warm, aber trocken. Nachts fielen ein paar Tropfen.

Der Leuchtfeuer Saint-Pol erfüllt seine Pflicht.
Wolkenverhangene Romantik.

Über Fort Mardyck, Gravelines vorbei an Oye-Plage waren wir viel schneller in Calais, als erwartet.

Durchfahrt eines Vorortes von Calais.
Im Hintergrund: ein Wasserturm, von denen wir auf unserer kurzen Route durch Frankreich bereits öfter welche in den Städtchen gesehen haben.
Einfahrt nach Calais, Nähe Fähranleger.
Phare de Calais.

Dass es regnete, ließ diese Stadt recht unattraktiv wirken. Auf eine Rundfahrt hatten wir daher verzichtet. Ein kleiner Wermutstropfen: ich konnte das wundervolle Rathaus nicht von Nahem sehen. Dessen Turmspitze überragte vielversprechend fast alle anderen Gebäude.

Vorbei am Fähranleger, dem Leuchtturm Phare de Calais, der seit 1848 als wichtige Navigationshilfe für Schiffe und Fähren des Ärmelkanals seinen Dienst verrichtete und einem kleinen Hafen, ging es weiter auf der D940 entlang der Opal-Küste.

Wunderschöner Strandabschnitt von Sangatte.
Hier dürfen Womos eigentlich nicht parken. Wir sind nur fix raus, um ein ein Foto zu machen.

Durch Zufall waren wir auf einem kostenlosen, wirklich hübsch gelegenen Stellplatz in Sangatte gestrandet. Wir wussten nicht, dass in dieser Stadt quasi der Eurotunnel begann.

Sangatte – ein hübsch gelegener, kostenloser Stellplatz

Dangast hat den Steinpenis von Eckart Grenzer das Cap Blanc-Nez hat den Obelisk von Aston Webb

Wie immer galt es erstes, den Strand zu erkunden. Aus einem Strangspaziergang wurde dann aber eine kleine, einstündige Bergwanderung (na, ok – eher Hügelchen-Wanderung, aber immerhin!) Ehrlich gesagt, hatten wir den Weg zum Strand nicht gefunden. Die Hänge waren zu hoch und zu steil, als dass wir dort gefahrfrei runtergekommen wären. Also ging es hoch zu einem doch sehr phallussymbol-artigem Steingebilde. Ehrlich, wir sind totale Kulturbanausen und hatten keine Ahnung, dass es sich um einen Obelisk handelte, der zu Ehren eines britischen Royal-Navy-Kommandos, genannt Dover Patrol, errichtet wurde.

Blick ins Hinterland.
Bunker aus dem zweiten Weltkrieg.
Der Weg, der von uns liegt (wie philosophisch, nes pas?).
Blick auf den farbenprächtigen Ärmelkanal.
Obelisk & Simon.
Baumbogen & Rabbi.

Es sollte nicht despektierlich klingen und auf keinen Fall, wollten wir die Verdienste der Jungs von damals verunglimpfen. Nur, warum mussten solche Monumente immer aussehen, wie ein steifes… naja, Ihr wisst schon, was wir meinten. Aber wir schweifen ab.

Der Spaziergang war unglaublich lohnenswert. Jetzt konnten wir uns selbst davon überzeugen, dass dieser Küstenstreifen zu Recht Côte d‘Opale genannt wurde. Die blau-grünen Farbtöne des Wasser waren ein Traum – trotz bedecktem Himmel.

Wir konnten nur jedem empfehlen, einmal dort hochzulaufen. Die Wanderung war kurzweilig und bot eine Mischung aus landschaftlichen Highlights und unserer aller Geschichte. Bei gutem Wetter sah man die Kreidefelsen von Dover sicherlich besser sehen. Heute konnten wir diese nur erahnen.

Beeindruckt hatte uns das Gesamtbild von Meer, den großen Fähren und Containerschiffen am Horizont sowie dem hügeligen Hinterland mit seinen eingebetteten, kuschelig anmutenden Orten. Auf der einen Seite Karibik-Feeling, auf der anderen wurden wir an Werbeaufnahmen für eine irische Markenbutter erinnert. Nur mit Schafen anstatt Kühen.

Da es weiterhin regnete, ging es nicht mehr an den Strand, sondern zurück in die Elfie. Bei Krakauer und Kaffee vervollständigten wir unsere Tagebuch-Einträge. Gleich geht’s bei Wein und Bier ab auf unser Couch. Ein bisschen Binge Watching zur Entspannung. A tout à l’heure nous amis!

Von rabbi

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