Aus unserem Vorhaben, möglichst lange an einem Ort zu bleiben, war bislang noch so gar nichts geworden. Es gab einfach viel zu viel zu sehen…

Tagebucheinträge

Klicke auf den Link des jeweiligen Datums und lese, was wir an diesem Tag erlebten:

Unsere zweite Reisewoche…

Mittwoch, 14.09.2022 Abfahrt: Sangatte – Ankunft: Berneval le Grande (160 Kilometer)

Die Route von Sangatte nach Berneval-le-Grand Petit-Caux.

So, wie der Tag gestern endete, begann er heute: mit Regen. Gegen 10:00 Uhr sind wir deshalb frühzeitig aufgebrochen. Unser Ziel: Dieppe. Vier Stunden später hatten wir allerdings nicht einmal die Hälfte der knapp 170 Kilometer zurückgelegt. Es gab so unglaublich viel, zu entdecken.

Weiter auf der D940 durchfuhren wir wundervoll abwechslungsreiche Ortschaften und Städte. Ein paar von diesen, zählen wir hier für Euch auf:

So abwechslungsreich, wie…
…die Orte, die wir durchgequerten, war…
…auch deren Umgebung.

Im eher unscheinbaren Ambleteuse tankten wir und freuten uns, nach ein paar Schreckmomenten, über den Dieselpreis von 1,79 Euro.

Ambleteuse ein eher unscheinbarer Ort, der allerdings bereits 54 v. Chr. eine wesentliche strategische Rolle zu Kriegszeiten spielte.

Zwischen Wimereux und Boulogne-sur-Mer staunten wir über die tollen Buchten. Der Pointe de la Crèche lud uns zu einem kurzen Spaziergang ein, der jäh unterbrochen wurde. Die Geschichte dazu folgt.

Die Villa „Le Revoir“ in Wimereux aus dem Jahr 1905, Architekt: Maegerman.
1930 gab es in Wimereux bis zu 800 Villen, heutzutage sind es noch 300 aus der Zeit der Belle Époque.
Naturschutzgebiet und auch bei Regenwetter traumhaft schön – Pointe la Crèche.
Am Horizont: Boulogne-sur-Mer.
Einer der vielen Bunker, die wir entlang der Küste noch sehen werden.
Boulogne-sur-Mer: Les buildings am Quai Gambetta (erbaut 1955).
Am Horizont überragt die Basilika Notre-Dame de l’Immaculée Conception die Stadt.
Boulogne-sur-Mer ist der größte Fischereihafen Frankreichs. Das konnten wir riechen (positiv gemeint).

An den Dunes du Mont Saint Frieux in Dannes konnten wir ebenfalls nicht ohne Stop vorbeifahren.

Dieses Kunstwerk in Form eines Seehundes erinnerte uns stark an einen anderen Meeresbewohner…
…Skulptur Future Fish (2018 von Diedel Klöver) im Vareler Hafen (Friesland) – ebenfalls gefülllt mit Plastikmüll. Ob die beiden wohl voneinander wissen?
Kunst soweit das Auge reichte.

In Camiers in der Nähe von Étaples steckte ich die Füße in den Ärmelkanal, während Rabbi Kaffee kochte.

Kristallklares Wasser, pi-warm. Ich liebe das!
Camiers: Endlose Weiten in unbebauter Natur.

Aus einem uns unbekannten Grund boxte in Saint-Valery-sur-Somme der Papst.

Saint-Valery-sur-Somme. Regen und noch mehr Regen.

Verliebt hatte ich mich in die zahlreichen Belle-Époque-Villen des Badeviertels von Mers-les-Bains mit ihren unbeschreiblich schönen Balkonen, Loggien und Erkern. Vor lauter Staunen kam ich wieder einmal nicht zum Fotografieren.

Hase und Igel versus Rennstrecke

Nach einem ereignisreichen Tag ließen wir die Opalküste hinter uns und tauchten ein, in die Côte d’Albâtre (Alabsterküste). Mit der Ankunft in Le Tréport sollte unsere Reiseroute für heute enden. Angekommen in der Normandie, wollten wir eigentlich ein bis zwei Tage in dieser Stadt verweilen. Daraus wurde leider nichts, denn alle Plätze, die keine Höhenbeschränkung von zwei Meter aufwiesen, waren voll – wirklich alle. Also hieß es für uns: weiter geht’s. Fündig wurden wir in der völligen Abgeschiedenheit des Waldes oberhalb von EU. Aber so richtig happy waren wir nicht.

Wanderparkplatz oberhalb von Eu.

Also aßen wir nur etwas und fuhren dann zurück in Richtung Kreidefelsen bzw. Funiculaire, der Standseilbahn von Le Tréport. Dieser Streckenabschnitt glich einem abenteuerlichen Ritt, der unseren chaotischen Tag komplettieren sollte. Die Plätze dort oben waren ebenfalls alle belegt. Fix und fertig parkten wir etwa einen Kilometer weiter am Straßenrand. Nach ein paar Minuten Pause und einem sehr netten Gespräch mit einem anderen Womo-Pärchen, hieß es dann für uns die Morsbacken zugekniffen und weiter. Wir standen zwar sicher, die Straße glich aber einer Rennstrecke.

Unser Plätzchen für die Nacht fanden wir schließlich vor dem Rathaus in Berneval-le-Grand, mit Blick auf den sehr liebevoll angelegten Garten. Wir waren so kaputt, nun ging es direkt in die Koje.

Der liebevoll angelegte Garten in Bernevale.
Ein Flötenspieler im Kirchgarten.
Wer ist dieser coole Typ?

Ob wir auf dieser Tour noch in den Genuss einer Fahrt mit der Standseilbahn kommen werden, war ebenso offen, wie der Besuch von Mers-les-Bains und Le Tréport. Aber wir brauchten ja auch noch Gründe, um wiederzukommen. Guts nächtle!

Donnerstag, 15.09.2022 Abfahrt: Berneval-le-Grand – Ankunft: Életot (65 Kilometer)

Die Route von Berneval nach Életot.

Augen auf, ein neuer Tag lachte uns entgegen! Wir hatten sehr gut geschlafen. Vor allem sehr ruhig! Noch eben fix das Gesicht restauriert und dann ab zum Bäcker (Boulangerie) um die Ecke. Hier backte der Chef noch selbst. Dass ließ sich mit einem Blick in die Backstube sofort erkennen. Eine tolle Auswahl an Brot, Baguette und Croissants. Ein paar Meter weiter gab es einen Metzger (Boucherie).  Zwei wirklich tolle Läden, die es bei uns in Deutschland leider in der Form nicht mehr wirklich oft gab. Rabbi, der alte Lateiner hatte es nicht so mit Französisch. Bei mir ist es circa 100 Jahre her, aber – tata! – Wurst und Brot kaufen, klappte. Gott sei Dank. So mussten wir nicht verhungern.

Tolle Häuser in Berneval.
Ein Top-Bäcker.
Ein Top-Metzger. Herz, was willst Du mehr?

Haute & Basse

Haute: Auf dem 16 Kilometer entfernten Parkplatz – Belvèdère de Hautot-sur-Mer fanden wir den perfekten Platz, um die neu erstandenen Waren zu verköstigen. Wir werden hier nicht zu sehr in Detail gehen, sonst knurrt Euch direkt der Magen. Es war wirklich superlecker. Wir genossen in vollen Zügen. Nebenbei gab es noch ein nettes Pläuschchen und dann macht wir uns auf den Weg nach Fécamp.

Belvèdère de Hautot-sur-Mer – der Name hält, was er verspricht.
Das Farbspiel im Dialog mit dem Himmel war grandios.

Naja, wir kamen nicht sehr weit, denn der erste Plage (Strand) zog uns magisch an. So ging es – insbesondere zum Leidwesen von Rabbi – noch einige Male.

Basse: In Pourville bzw. Hautot-sur-Mer konnten wir das erste Mal die Kreidefelsen von Nahem bestaunen. Ein wirklich niedliches Örtchen, mit allem, was das Herz begehrte. Wie bestellt riss der Himmel noch weiter auf.

Dicke Kieselsteine prägen den Strand von Hautot-sur-Mer.
Hautot-sur-Mer – Jetzt mal mit uns.

Unsere Ortsdurchfahrt von Varengeville-sur-Mer war einfach nur grün.

Ortsrand von Varengeville-sur-Mer – Das leuchtende Grün der Blätter, als Pendant zum türkisfarbenen Ton des Ärmelkanals.

Nachdem Rabbi sich weigerte, in Ste.Maguerite-sur-Mer und Quiberville erneut an den Strand zu fahren, war mein Geweine groß.

Strandhäuschen in Ste. Maguerite-sur-Mer.
Frischer Fisch in Quiberville.

Aber nur wenig später wurde ich in Ste. Aubin-sur-Mer entschädigt.

Panorama-Sicht auf den Strand von Ste. Aubin-sur-Mer
Braucht es wirklich Worte?
Haute: Blick von einer Anhöhe…
…auf den Strand von Ste. Aubin-sur-Mer.
Basse: Imposante Felsen in Strand von Ste. Aubin-sur-Mer.

Auf der Strecke nach Fécamps wurden wir erneut mit so vielen Eindrücken belohnt, dass wir gar nicht alles in Bildern und schon gar nicht in Worte fassen konnten. Vor zwanzig Jahren hätten wir dazu Stack-Overflow gesagt.

Unser Abstecher nach Életot bewog uns dazu, Fécamp auf morgen zu verschieben. Diese Einöde gefiel uns einfach zu gut.

Notre-Dame-de-l’Assomption 17. Jahrhundert in Életot.
Über die Felder lädt dieser Flecken Erde zum Spaziergang ein. Inzwischen ist es schon wieder Mützenwetter.
Unsere Nachbarin – Madame Licorne (Frau Einhorn)

Die Entscheidung, die Nacht in Életot zu verbringen, war absolut richtig, denn unser Abend wurde von einem der schönsten Sonnenuntergänge gekrönt, den wir bis dato gesehen hatten. Unglaublich.

Es lässt sich nur erahnen, wie…
…spektakulär der Sonnenuntergang wirklich war.

Leider sind wir mit unseren Handykameras zu spärlich ausgestattet, als dass wir dieses fantastische Spektakel hätten einfangen können. Also wird Euch wohl nichts anderes übrig bleiben, als hier mal vorbei zu schauen und zu verweilen. Wir denken, es gibt Schlimmeres. Bon nuit!

Freitag, 16.09.2022 Abfahrt: Életot – Ankunft: Chemin de la Mer et du Croquet (50 Kilometer)

Die Route von Életot nach Chemin de la Mer.

Geweckt vom Wind und dem Hahn des Bauernhofes um die Ecke, hatten wir gar keine richtige Lust aufzustehen. Es war saukalt in Életot, der Himmel wolkenverhangen und der Platz hier viel zu schön, um weiterzuziehen. Aber, wir wollten nun endlich nach Fécamp.

Achtung Spoiler: Fécamp erreichten wir am frühen Vormittag und waren mittags fußläufig sogar noch in Étretat. Von oben und von unten – haute et basse, so wie es sich gehört. Ok, zugegebenermaßen nicht ganz.

Aber noch mal kurz einen Schritt zurück: Unser erster Stopp war ein Parkplatz oberhalb der Hafeneinfahrt von Fécamp an der Route du Phare. Gegenüberliegend das Kap Fagnet, mit seinen 110 Metern einer der höchsten Punkte der Normandie. Vorbei an der Kapelle Notre-Dame de Salut und der Militärstation ließen Bunkerreste erahnen, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander lagen.

Fécamps von oben.
Die Bucht von Fécamps.
Rabbi auf dem Weg zum Knabenchor in die Chapelle Notre-Dame-du-Salut.
Der Weg vom Parkplatz führt direkt zur Kapelle Notre-Dame-du-Salut.
Die Kapelle von vorn.
Das Kap Fagnet mit Militärbasis.
Um die Anlage herum, kann man sich frei bewegen.
Für Leib und Seele ist gesorgt.
Bunker „Mammut“ bekannt durch die Installation einer Radaranlage.
Bunker „Würzburg 2“
Eisennägel, die aus der Betonplatte des Bunkers „Würzburg“ ragen.
Der Blick verrät den strategischen Nutzen der Anlage.
Blick auf „Le Poste de Observation“.

Über die kurvenreiche Küstenstraße erreichten wir den Hafen von Fécamps. Wir hatten nicht vor, auszusteigen, sondern uns auf eine Stadtrundfahrt geeinigt. Einigen sah bei uns so aus: ich würde gerne durch die Stadt fahren, um möglichst viel zu sehen und Rabbi musste dann gucken, wie er das hinbekam. Vielleicht kommt dem Einen oder Anderen von Euch diese Situation bekannt vor. Dann lasst uns an dieser Stelle kurz das männliche Geschlecht huldigen – Huldigung – und nun zurück zum Thema: Fécamp hatte tolle Ecken, war aber auch echt überlaufen. Also fix weiter Richtung Étretat.

Der Blick auf den Yachthafen (Port de Fécamp) von Fécamp.
Zugang zum Strand von Fécamp.
Fécamp abseits des Trubels.
In Fécamp werden die Touris mit den Bussen angekarrt.
Ste. Étienne de Fécamp (Stephanuskirche).
Kriegerdenkmal Innenstadt Fécamp.
Der Palais Bénédectine aus dem 19. Jahrhundert. Ein Stau in der Innenstadt machte dieses Foto möglich. Ker, wat war ich glücklich.

Über Yport, das uns übrigens wesentlich besser gefiel, als Fécamp, aber leider überhaupt kein Herz für Wohnmobilfahrer hatte, durchquerten wir via D211/ D11 noch die Örtchen Vattetot-sur-Mer und Bénoville mit dem Ziel Étretat.

Yport ist in jedem Fall einen Abstecher wert.
Nur Parken durften wir unsere Elfie in Yport leider nicht.

Angekommen in Étretat hatten wir erneutes Glück. Direkt an der Einfahrt des Womo-Parkplatzes (Étretat, Route du Havre) war noch eine Lücke frei. Da es doch etwas beengt und schräg war, ersparten wir uns so die Kurbelei.

Wir freuten uns, das liebenswerte Pärchen vom Vortag wieder zu treffen und gingen gemeinsam in den Ort. Am Strand trennten sich unsere Wege, da wir noch ein wenig verweilen wollten.

Der Parkplatz in Étretat wird oft zum Übernachten genutzt.
Die Preise im September 2022.
Vom Parkplatz aus, ist man binnen 5 Minuten fußläufig in der Stadt.

Le Savoir-vivre

Die typischen Touri-Spots hatten wir uns gespart. Zum Beispiel die Gärten von Étretat (Les Jardins d’Etretat) oder das Tor von Aval (La Porte d’Aval). Beides wäre sicherlich ein lohnenswerter Sparziergang gewesen, es war uns nur zu viel Trubel.

Salle Marcel Cramoysan (Maler, 1915-2007).
Rabbi auf dem Weg zum Strand von Étretat.
Die Strandpromenade von Étretat. Kein Wunder, dass Monet dieses Motiv so gerne malte.

Wir ließen die Meute vorbeiziehen und genossen das Wellenrauschen der Brandung, bewunderten die mutigen Einheimischen, die bei diesen unmenschlichen Temperaturen freiwillig ins Wasser gingen und staunten von unten über die atemberaubend schönen Kreidefelsen (Falaises d’Étretat – vom Wasser aus auf der rechten das Tor von Aval und die Nadel und auf der linken Seite die Klippe von Amont).

Das Tor von Aval (Porte d’Aval) und der Nagel (l’Aiguille).
Die Klippe von Amont (Porte d’Amont), die mit Phantasie einem Elefanten gleicht, der seinen Rüssel ins Wasser hält.
Die Wolken bieten uns heute ein abwechslungsreiches Schauspiel. Vom Schaf bis zur Gewitterwolke war alles dabei.

Auf dem Rückweg schlenderten wir durch die einsameren, restaurant- und geschäftsfreien Gassen und spickten in die Hinterhöfe. Am Ende unseres kurzen Trips belohnten wir uns noch mit einem knusperigen Baguette sowie einem superleckeren Puddingkuchen (Flan nature) aus einer ortsansässigen, kleinen Pâtisserie. Zurück in der Elfie gab es dann erstmal Kaffee inklusive der ganzen Leckereien. Wirklich doof war, dass ich den Kuchen mit Rabbi teilen musste. Ich hatte ihn noch zu überzeugen versucht, dass es eh nicht schmecken würde, aber das Argument zog irgendwie nicht…

Mit diesem Bild verabschiedeten wir uns von der bildschönen Kulisse Étretats.
Die kleinen Gassen sind immer einen Spaziergang wert.
Und es kann so entspannt sein.

Gegen 15:00 Uhr ging es weiter. Wir musste noch entsorgen und Wasser auffüllen. Im 10 Kilometer entfernten Kap d’Antifer gab es eine Entsorgungsstation, an der es allerdings im Wechsel entweder nach Öl oder nach Kuhmist roch. Erfolgreich neu befüllt, fuhren wir die Küstenstraße noch bis zum Ende. Unterhalb der 130 Meter hohen Kreidefelsen standen einige Wohnmobile. Mit der Nähe zum Wasser, ein toller Platz. Die Luft war dort entschieden besser. Warum wir nicht geblieben sind, wissen wir gar nicht.

Rabbi als Chef de l’approvisionnement (Versorgungschef).
Öl-Lager am Kap d’Antifer.
Parkplatz unterhalb der Klippen.
Ein Blick von oben auf das Kap.
Unser neuer französischer Freund, Monsieur Âne.

In Chemin de la Mer et du Croquet kamen wir an. Hier war nix. Die Internetverbindung erinnerte an die guten alten 32-k-Modem-Zeiten. Entschleunigung pur. Mit zwei weiteren reisenden Pärchen waren wir hier sehr ruhig untergebracht.

Unser Nachtlager könnte deutlicher schlechter sein. Ehrlicher Weise müssen wir gestehen, dass wir inzwischen, wie eine Sardinenbüchse eingekesselt sind.
Der Blick nach vorn.
Der Ärmelkanal mit den Wolken ist einfach ein Traum.
Der Himmel versprach schon wieder Großartiges und das bekamen wir auch.

Mit einem guten Schluck Kräuterlikör aus der Heimat verabschieden wir uns für heute von Euch und sind auf die Abenteuer gespannt, die der morgige Samstag für uns bereithält.

Samstag, 17.09.2022 Abfahrt: Chemin de la Mer et du Croquet – Ankunft: Hermanville-sur-Mer (100 Kilometer)

Die Route von Chemin de la Mer nach Hermanville-sur-Mer.

Leute, wir sagen Euch: ein Highlight jagt hier das Nächste. Ein weiterer Sonnenuntergang der Marke „wat gibbet Schöneres“ rundete unseren gestrigen Tag ab.

Magnifique!

Heute morgen wurden wir mit einem traumhaften Sonnenaufgang geweckt. Das ließ uns fast vergessen, dass das Thermometer lediglich 14 Grad zeigte. Wir kamen noch nicht so richtig in die Pötte, aber das war ja auch Sinn und Zweck unserer Unternehmung.

Sunshine, Sunshine Reggae!

Nachdem klar war, dass wir in Frankreich urlaubten, versorgte uns ein guter Freund und bekennender Frankreichliebhaber mit reichlich Tipps. Merci beaucoup, Monsieur T.! Natürlich durfte Honfleur auf seiner Liste nicht fehlen. Nach dem Frühstücken ging es los. Weit war es nicht, knapp 31 Kilometer.

Zunächst wollten wir aber eben nach Le Havre, um uns eine französische Telefonkarte zu besorgen. Das, was wir von dieser Stadt dabei sahen, war modern und abwechslungsreich. Gebaut wurde hier, wie bekloppt. Die neue Karte war schnell besorgt und schon ging es voller Vorfreunde weiter.

Le Havre von seiner pittoresken Seite.
Auf kurvenreichen Straßen ging es vorbei…
…an Klimakritik…
…und Pommesbude…
… in die City von Le Havre.
Ein wirklich sehr kurzer Blick auf die Strandpromenade.
Werbung oder Kunst? Egal – Hauptsache schön bunt.
Die Stadt von ihrer grünen Seite.
Le Havre glänzt durch Abwechslung.
Dieses Bauwerk sollte den Bayern-Fans unter Euch bekannt vorkommen. Wobei, in Schalke-blau muss doch schmerzen, oder?

Da wir uns auf der Autobahn kurz verfranzten, kamen wir noch in den Genuss von Harfleur. Damit verließen wir die Côte d’Albâtre und freuten uns auf die Côte Fleurie.

Harfleur aus der Ferne. Hübsch, oder?

Über sieben Brücken…ääh zwei musst Du fahren…

Aufregend war die Überquerung der Seine-Brücke Pont de Normandie. Ja sicher, die Brücken Richtung Schweden waren noch mal eine ganz andere Hausnummer. Aber wir wollten ja auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Sicht war spitze und unterstrich dieses kurzweilige Ereignis.

Fluss – Brücke…
…Brücke – Fluss…
Mautstation für die Brücke Pont de Normandie. Durch die Berichte im Internet hatten wir uns total kirre gemacht. Am Ende war alles ganz easy.
Es ging ziemlich weit nach oben.
Ein schneller Blick auf die Seine, dann ist die Überquerung auch schon fast wieder vorbei.

Ein weiterer Tageshöhepunkt folgte keine 20 Minuten später an einer Tankstelle am Ortseingang von Honfleur. Wie damals mit Oma beim Winterschlussverkauf vor Karstadt. Wir wussten gar nicht, dass so viele Autos gleichzeitig auf eine Tankstelle passten. Es kam wohl durchaus vor, dass Tankstellen der Diesel ausging, somit tankten wir lieber frühzeitig. Beeindruckend, wie reibungslos das ganze Gewusel ablief. Und nun bitte kein Neid: 1,499 Euro pro Liter.

Tanken auf Französisch in Honfleur.

Wer hatte eigentlich die Idee mit dem Riesenrad?

Beim Anblick des Riesenrades ahnten wir schon, dass es wohl etwas voller werden könnte. Heute, am Samstag, war zudem auch noch Markt. Es war also nicht voll – es war brechendvoll. Wir kürzen hier ab: das, was wir von Honfleur sehen konnten, war wirklich vielversprechend. Ausgestiegen sind wir nicht. Wenn man, wie ich (Simon) 1,56 m lang ist, dann ist die Erkundung einer Stadt bei einer solchen Menschenmenge einfach sinnlos. Außer fremde Hinterteile (was ja auch durchaus schön sein kann) sieht man halt nix. Rabbis Schultern sind zwar breit, allerdings würde ich mich auch nicht durch die Stadt tragen wollen. Wie sagte es Gimli, der Zwerg aus der Saga „Der Herr der Ringe“ so schön? – „Niemand wirft einen Zwerg!“ Das sehe ich auch so. Somit vertagten wir den Sightseeing-Spaziergang auf ein anderes Mal.

Honfleur Richtung Hafen.
Ich habe den Dreh noch nicht raus, wie ich Fotos machen kann, ohne…
…Menschen, wenn die Hütte voll mit ebendiesen ist. Von wegen Persönlichkeitsrechte und so.
Stau am Hafen.
Raus aus der Stadt, rein ins Grüne.

Honfleur kehrten wir somit schnell wieder den Rücken. Etwas enttäuscht legten wir auf einem Wanderparkplatz in Pennedepie erst einmal eine kleine Rast ein. Rabbi fummelte am Router, um die neue Sim-Karte zum Laufen zu bringen und ich ging runter, den Strand inspizieren. Der etwa 1 Kilometer Gang wurde mit einem wundervollen Blick auf den Hafen von Le Havre belohnt.

Le Havre von anner Siet. (Le Havre von der anderen Seite).
Ich hatte den Strand von Pennedepie mal wieder ganz für mich allein.
Womos dürfen nicht näher ran. Aber der Wanderparkplatz ist mit Tischen, Steinbänken und ordentlichen Mülleimern ausgestattet.

Wir haben Hunger, Hunger…

Dann wurde es hektisch. Wir brauchten unbedingt noch etwas zu essen. Da wir uns seit Tagen nur von Brot und Wurst ernährten, suchten wir gezielt nach einer lokalen Bäckerei und Metzgerei. Fündig wurden wir in Ste. Arnoult. Allerdings sollte der Fleischer bereits um ein Uhr schließen und es war 20 Minuten vor. Also schnell alles festschnallen und Abfahrt.

Ein wirklich toller, sympathischer Metzger in Ste. Arnoult.
Hübsches Örtchen und mal ganz anders. Bei den Preisen kamen wir uns allerdings vor, wie in Kampen auf Sylt.
Ein Brot 7,20 Euro. Das haben wir noch nie zuvor bezahlt. Geschmacklich war es ok, aber am nächsten Tag schon trocken.

Off-topic: Wir finden es unglaublich bewundernswert, mit welcher Gelassenheit unsere französischen Freunde unterwegs sind. Während ein Deutscher an der Supermarktkasse spätestens nach 30 Sekunden, voller lauter Ungeduld, seinen Einkaufswagen in die Hacken des Vordermannes schiebt, ist es in Frankreich Usus, allen Dingen genau die Zeit zu geben, die sie benötigen.

Wenn also, um kurz von eins, somit fünf Minuten vor der Mittagspause, zwei Deutsche in den Laden kommen, Aufschnitt kaufen wollen und dabei ein echt miserables Französisch an den Tag legen, dann wird das nicht nur mit Muße und Geduld bis zum Ende durchgezogen – nein – man wird sogar noch von den wartenden Personen ermutigt, sich Ruhe zu gönnen, das richtige Wort zu finden. Da könnten wir uns mal eine Scheibe von abschneiden. Respekt! Gleiches gilt im Übrigen auch im Straßenverkehr: nur die wenigsten Fahrer hupen. Merci, á nos amis!

Touques sehen und – nein, nicht sterben, nur verlieben…

Nach unserem erfolgreichem Einkauf (Wurst und Cidre) bei diesem entzückenden Metzger mit seiner roten Baskenmütze, verweilten wir noch bis 17 Uhr in Ste. Arnoult. Wir mussten unbedingt noch einmal zurück nach Touques. Auf unserer Ralley zur Boucherie hatten wir diesen kleinen Ort nur durchfahren, das reichte aber und wir waren schockverliebt.

Rabbi nahm die Fahrräder ab und dann ging es los. Natürlich, wie sollte es anders sein, wollten wir zuvor noch kurz Richtung Strand. Deauville und der damit verbundene Besuch von Tourville-la-Rivière lagen da nahe. Es war Rummel (Krimes) und die Restaurants sehr gut gefüllt. Hier saß eine Menge Geld.

Halligalli vor der beeindruckenden Kulisse Tourvilles.

Bei soviel Prêt-à-porter stand auch mir der Sinn nach einer kleinen Runde Roulette, aber Rabbi konnte sich nicht dafür begeistern. So fuhren wir nur kurz am Casino vorbei, schossen ein paar Fotos, durchquerten den Hafen von Deauville, strichen den Strandbesuch und machten uns auf den Weg nach Touques.

Hier wäre ich gerne mit 3,50 Euro an einen Tisch gegangen und mit 4,50 Euro wieder raus, aber Rabbi ließ sich nicht erweichen.
Les deux Belvédères im Hafen von Deauville.
Ein Blick in die andere Richtung.
Dieses lustige Gefährt hätte Insepcteure Cluseo perfekt zu Gesicht gestanden, nicht wahr?

Was ein verschlafenes Örtchen. So bildhübsch. Schaut Euch Touques auf jeden Fall an, wenn Ihr in der Gegend seid.

Ortseinfahrt Touques.
Die Kirche Saint-Pierre.
So süss!
Alles da, was das Herz begehrt.
Wir sind absolute Fans.
Kleine Gracht.
Das Rathaus.
Der Ortskern.

Vorbei am Hippodrom von Ste. Arnoult radelten wir zurück zur Elfie. Anschließend machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht.

Die Rückseite des Hippodroms in Ste. Arnoult.
Die beiden Ladies hatten so gar keine Lust auf uns.
Ein letzter Blick in den schönen Park und dann hieß es für uns Au Revoir, Ste. Arnoult.

Eindrücke und noch mehr Eindrücke

Nach Mers-les-Bains und Touques hatten wir nicht damit gerechnet, unsere Herzen noch für eine weitere Stadt zu öffnen. Doch dann kam Houlgate (ehemals: Beuzeval-les-Bains). Dass Simon (ich), ein Faible für Häuser hatte, war seit Belgien nix Neues, somit war Houlgate ein Paradies und wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollte. OK, Rabbi musste auf die Straße schauen, aber ich war total überfordert, eine Villa reihte sich an die andere.

Bei dieser Passion ging es weniger um Architektur, Geschichte oder Baujahr, sondern um diese feinen, handwerklich meisterhaften Details, die Menschen aus Stein, Holz und Metall erschaffen. Heute war die Zeit zu kurz, aber wir werden wiederkommen und jedem einzelnen dieser wundervollen Gebäude einen gebührenden Besuch abstatten.

Deauville machte den Anfang bzgl. imposanter Bauwerke…
…Es folgten Bénerville-sur-Mer…
…Blonville-sur-Mer…
….Villers-sur-Mer.
Doch dann kam Houlgate…
…und setzte…
Einfach nur beeindruckend.
…neue Maßstäbe.
Man könnte schlechter wohnen.

So langsam wurden wir müde

Auf dem Weg fanden wir so spontan keine Bleibe für die Nacht. Überall am Küstenstreifen gab es Womo-Verbote. Wir wählten eine Route, die direkt am „Cidre & Dragons“-Festival (17.+18.09.) vorbeiführte. So standen wir erstmal im Stau. Das war allerdings überhaupt nicht schlimm, denn so hatten wir Gelegenheit, die Kostüme einiger Besucher zu bewundern.

Hier war der Bär los.

Um 18:30 Uhr fanden wir ein Plätzchen in Hermanvillesur-ville. Hier standen wir mit einigen anderen Wohnmobilisten vor einer Kirche. Ruhig und idyllisch. Engländer, Franzosen und wir als einzige Deutsche. Im Hinblick auf die Gegend und der damit verbundenen Geschichte, machte es uns doch etwas nachdenklich: vor 77 Jahren wäre eine derartige Konstellation undenkbar gewesen. Umso besser, dass es heutzutage anders ist.

Leuchturm in Ouistreham.
Hermanville-sur-ville auf dem Weg zum Parkplatz.

So genug der Litanei, wechseln wir noch mal eben fix das Thema: Voilá le pain de Simon!

Bon Appetit.

Sonntag, 18.09.2022 Abfahrt: Hermanville-sur-Mer – Ankunft: Longues-sur-Mer (35 Kilometer)

Die Route von Hermanville-sur-Mer nach Longues-sur-Mer.

Um 05:30 Uhr war die Nacht zu Ende. Der Mond schien so hoch und mittig durch unser Heki, dass wir dachten, es sei noch deutlich früher. Die ersten mobilen Nachbarn aus England machten sich auf den Weg Richtung Fähranleger Ouistreham, um nach Portsmouth überzusetzen. Mein Handy piepte und zeigte 11 Grad. Das war kalt. Verdammt kalt. Wir mussten aufpassen, bei diesen Temperaturen nicht am Klo festzufrieren.

Zurück in die Vergangenheit

Mit einem heißen Kaffee in der Hand planten wir grob den heutigen Tag. Geschichte war angesagt. Rabbi wollte gerne den Spuren der Alliierten folgen. Bei wolkenlosem Himmel bedankten wir uns im Vorbeifahren noch schnell bei der Église Saint-Pierre für das angenehme Glockengeläut, verabschiedeten uns von der Côte Fleurie und machten uns auf zu einer Zeitreise in die Vergangenheit an der Côte de Nacre (Perlmuttküste). Ziel: Omaha Beach in Colleville-sur-Mer.

Wolkenlos: Église Saint-Pierre – Hermanville-sur-Mer.
Wolkig: Ein Ort weiter – Église Saint-Pierre – Lion-sur-Mer.

Kirchen und Kriegsdenkmäler wechselten sich auf unserer Route ab. Nach den beiden Gotteshäusern sahen wir in Lion-sur-Mer einen Panzer am Straßenrand. Der Himmel sorgte parallel für die passende Atmosphäre.

Bedrohlich: Churchill Panzer Mk IV.

Während der Himmel auch in den Orten Langrune-sur-Mer und Saint-Aubin-sur-Mer seine düstere Stimmung vehement verteidigte, bot sich in Courseulles-sur-Mer, nur knappe 10 Minuten später, wie zuvor in Hermanville-sur-Mer, ein völlig anderes Bild.

Düster: Sandstrand von Langrune-sur-Mer.
Imposantes Gotteshaus: Église Saint-Aubin.
Nicht eine Wolke in Courseulles-sur-Mer.

Ein bisschen unheimlich war es schon. Je näher wir dem British Normandy Memorial in Ver-sur-Mer kamen, desto mehr verdunkelte sich wieder der Himmel in ungewohnter Geschwindigkeit.

Courseulles-sur-Mer – derselbe Ort, wie ein Bild zuvor, ob Ihr es glaubt oder nicht.

Bitte wenden

An Asnelles fuhren wir zuerst vorbei. Ich drängte Rabbi dann aber doch zur Umkehr und, das war auch gut so. Fernab vom Touristenrummel in Arromanches-les-Bains konnten wir in Ruhe die Überreste der britischen Hafenanlage (Mulberry Haven, 1944) aus der Ferne bestaunen. Die Boote, die sich dort näherten machten deutlich, wie groß diese Bauten (Tonnen versenkter Materialien) gewesen sein mussten.

Weisen uns die Wolken den Weg nach Mulberry Haven?
Die restlichen Zeitzeugen des Krieges.
Mahnmale.

Nach diesem kurzen Abstecher ging es in Arromanches-les-Bains vorbei an einem Brückenteil des Mulberry Haven und in Tracy-sur-Mer der Kirche Saint-Martin zu unserem potentiellen Schlafplatz.

Bitte achtet auf den Himmel: Kriegsdenkmal.
Kirche: Église Saint-Martin.

Die Frage bleibt: Warum?

Wir hatten gar nicht damit gerechnet, ein Plätzchen zu finden, aber wir hatten Glück. Mit Blick auf Felder und Wasser tranken wir noch einen Kaffee, vervollständigten unseren Tagebucheintrag von gestern und machten uns dann auf zur Batterie Longues-sur-Mer.

Rückseite der Bunker aus der Ferne.
Vorderseite der Bunker aus der Ferne.

Beim ersten Bunker lag das Kanonenrohr in seinen Einzelteilen im Boden. Die Natur hatte es sich zu eigen gemacht.

Teile desdefekten Geschützes liegen im Gras.
Vom Rohr sieht man nicht mehr viel.
Bilder können nicht ausdrücken,…
…welche Wirkung diese Geschütze haben,…
…wenn man ihnen direkt gegenüber steht.
Der Blick in den Bunker.

Das zweite Geschütz bewegte uns überraschender Weise mehr, als wir im Vorfeld ahnten. Die Präzision, mit der diese Geschützbunker gebaut wurden, überwältigte uns.

Trittbrett auf dem wohl die Soldaten standen.
Beängstigend, wie gut nicht nur das Rohr erhalten ist.
Vorderansicht Bunker.
Der Blick über den Ärmelkanal. Auch dieser Bunker ist sehr gut erhalten.

Nie werden wir verstehen, wie Menschen mit einer solchen Akribie Sachen mit dem Vorsatz bauen können, um andere Menschen zu töten. Egal, welcher Nation und Herkunft. Das so nah zu sehen, hatte eine deutlich andere Qualität für uns, als Bilder oder Filme aus dem Fernsehen. Dieser Trip wird sicherlich noch lange nachwirken.

Mit roter Nase vom Heulen verabschieden wir uns für heute.

Nachtrag

So ganz ohne ein Lächeln geht es dann ja auch nicht, trotz oder gerade wegen der schweren Kost. Wir hatten gestern unsere erste Flasche Cidre gekauft. Standesgemäß wurde Edith Piaf aufgelegt. Während ich die Musik erstaunlicherweise genoss, meinte Rabbi nur zu mir: „Und, womit wurdest Du so in Deinem Urlaub gefoltert?“ Hopfen und Malz…! Nu ist aber wirklich Schluss für heute.

Lieber Monsieur T: das schmeckt uns nicht, wir bleiben dann doch lieber beim Wein. Gelehrt haben wir die Flasche aber trotzdem.

Montag, 19.09.2022 Abfahrt: Longues-sur-Mer (35 Kilometer) – Ankunft: Cosqueville Vicq-sur-Mer (120 Kilometer)

Die Route von Longues-sur-Mer nach Cosqueville Vicq-sur-Mer.

Euch, als aufmerksame Leser, wird es sofort aufgefallen sein: wir hatten am gestrigen Sonntag unser Ziel Omaha Beach nicht erreicht. Machte aber auch nichts, das holten wir heute morgen direkt nach.

Inzwischen ein morgentliches Ritual: Kaffee und passender Sonnenaufgang
Wir verbschieden uns von diesem tollen Blick und treten die Weiterreise an.

Ohne Frühstück ging es direkt nach Colleville-sur-Mer zum Amerikanischen Soldatenfriedhof (Normandy American Cemetry). Unser Weg von Longues-sur-Mer nach Colleville-sur-Mer führte uns durch verschlafene Dörfer, entlang wunderschöner Höfe, Häuser und jeder Menge Kirchen . Eine ländliche, sehr idyllische Gegend.

Hof in Longues-sur-Mer.
Haus in Commes.
Église Saint-André de Port Bessin.
Verschlafen: Aure-sur-Mer.
Wir lieben Kühe!

Tag X in Omaha- und Utah Beach

Um kurz vor 10:00 Uhr waren wir bereits auf dem Parkplatz des Gedenkfriedhofs. Eine gute Zeit, denn etwa eine Stunde später rückten die mit Touristen gefüllten Busse an. Hinweis: Parken und Eintritt waren kostenfrei.

Am Eingang gab es eine Leibesvisitation, danach konnten wir uns frei bewegen. Ein wirklich beeindruckender Ort. Perfekt bis ins letzte Detail. Wir verzichteten weitgehend auf das Fotografieren, es war immerhin ein Friedhof.

Mamormonolith am Eingang der Zufahrt.
Blick vom Memorial auf Omaha Beach.
Circa 10.000 Kreuze bzw. Davidsterne, gleichbedeutend mit 10.000 gefallenen Soldaten. Mehr als 1500 gelten als vermisst. Würde man alle Toten des Krieges gedenken, würde die Fläche von Deutschland dann reichen?

Reihe an Reihe repräsentierten weiße Kreuze und Davidsterne, die letzte Ruhestätte der am 06. Juni 1944 gefallene Soldaten. Die Anzahl der Gräber verdeutlichte erneut: in einem Krieg konnte es keine Gewinner geben.

Die persönlichen Gegenstände der Soldaten sowie die strategischen Berichte aus jener Zeit waren auditiv und visuell eingängig aufbereitet. Immer wieder war es die deutsche Gründlichkeit, die uns so betroffen machte.

Die Infotafeln waren in französischer und englischer Sprache verfasst. Kein Deutsch. Symbolik? Wir wussten es nicht. Dennoch zeigte es, wo unser Platz in dieser Geschichte war. Das alles trug dazu bei, dass uns die Eindrücke hier emotional erneut sehr nahe gingen.

Darstellung strategischer Truppenbewegungen an den Stränden.

Mit einem Spaziergang am Strand von Ste. Laurent-sur-Mer beendeten wir den Geschichtsunterricht, der unsere Sicht auf die Ereignisse des zweiten Weltkrieges nachhaltig prägte.

Zugang zum Strand in Ste. Laurant-sur-Mer.
Am Strand lässt sich durchatmen.
Wir haben unsere Spuren hinterlassen.
Liebevoll angelegter Zugang zum Strand.

Päuschen am Straßenrand

Inzwischen war es weit nach 13 Uhr und wir hatten immer noch nichts gegessen. Etwas weiter den Strand hoch, stellten wir uns in Saint-Laurent-sur-Mer an den Straßenrand und machten uns erst einmal Frühstück. Das sind die Momente, die wir so lieben, wenn wir mit der Elfie unterwegs sind.

Die Elfie ganz legal am Rand geparkt.
Omaha Beach.
Flora.
Die Natur hat den Strand noch weiter aufgehübscht.
Frühstücks-Blick.
Ein Bücherregal, in dem man, wie bei uns Bücher abgeben und mitnehmen kann.

Für den restlichen Tag hatten wir uns vorgenommen, noch etwas Strecke zu machen. Ab und zu gab es einen Abstecher in einen der Orte, der uns schon von weitem lockte. Ich sammelte am Utah Beach noch ein paar wirklich tolle Muscheln und freute mich darüber, wie ein kleines Kind. Die Gegend war wie ausgestorben.

Unterwegs kaufen wir in einer kleinen Pâtisserie noch ein paar Petits fours, die allerdings deutlich besser aussahen, als sie schmeckten. Die Côte de Nacre (Perlmuttküste) verfügte über wundervolle Sandstrände, dennoch waren wir nicht traurig, als wir diese hinter uns ließen. Die Halbinsel Contentin verzauberte uns nämlich sofort mit ihren wundervollen Buchten, den rauen Felsen und den wirklich traumhaften Orten. In Cosqueville Viqc-sur-Mer fühlten wir uns willkommen und blieben für eine Nacht.

Lieblingsbilder

Noch etwas Sport in der warmen Nachmittagssonne, dann noch diesen Artikel hier verfasst – nun ist es 21:15 Uhr und rapide abgekühlt. Das heißt: entweder Heizung an oder ins Bett. Das Bett gewinnt!

Von daher schließen wir diesen Eintrag heute noch mit unseren Bildern des Tages. Ein buntes Sammelsurium, wir wünschen Euch viel Freude daran und sagen Tschü bis morgen.

Museum D-Day Omaha in Vierville-sur-Mer.
Wir lieben Traktoren. Diese beiden sehen aus, wie Spielzeug.
Diese Trecker werden benutzt, um kleinere Boote zu Wasser zu lassen.
Hotel de Ville in Carentan les Marais.
Wohl eine Art Schrebergarten-Strandhäuser in Sainte-Mére-Église.
Église Saint-Martin de Réville.
Bucht in Gatteville-le Phare. Der Himmel in Frankreich wird uns in Erinnerung bleiben.
Erst noch etwas Yoga (jedenfalls so tun, als ob).
Dann noch den Tagebucheintrag schreiben.
Liebe!

Dienstag, 20.09.2022 Abfahrt: Cosqueville Vicq-sur-Mer – Ankunft: Sciotot Les Pieux (105 Kilometer)

Die Route von Cosqueville Vicq-sur-Mer nach Sciotot Les Pieux.

Das Schaf von Cosquevillle.

Hier wohnt das Schaf von Coqueville

Manche Leute sagten, es gäbe Koalabärenhundeschafe, manche Leute sagten, es gäbe keine Koalabärenhundeschafe. Wir aber sagten: es gab das Schaf von Cosqueville. Mehr dazu erfahrt Ihr später. Nun ging es, relativ gut ausgeruht, weiter für uns.

Raue Küste, tolle Buchten und Cherbourg

Contentin gefällt uns sehr gut. Auf unserer heutigen Tour über die Halbinsel sind wir vielfach nahezu alleine auf den Straßen. Die Dorf-und Touri-Dichte, wie wir sie bisher in der Normandie wahrgenommen hatten, ließ deutlich nach. Dafür gab es eine Menge sattes Grün, tolle Natur, tolle Buchten, kleine, wie große Häfen sowie imposante Felsen.

Wir durchquerten Fermannville und Maupertus-sur-Mer. Letztgenanntes Örtchen machte den Auftakt zu weiteren einsamen Buchten im Kanton La Hague, in Tréauville, Flamanville und in Sciotot, wo wir spontan für die Nacht blieben.

Bucht von Maupertus-sur-Mer

Das, was wir von Cherbourg en Contentin Ville (Stadt) sahen, hat uns nicht gefallen. Vielleicht hätten wir diesem Besuch mehr Zeit geben sollen. Parallel zum Stadtkern verliefen imposante Bauten, die wir zunächst nicht zuordnen konnten. Die Recherche ergab, dass es sich um die geschichtsträchtigen Wehranlagen von Cherbourg (Fort l’Quest, Fort Central, Fort de l’Est) handelte, zugehörig zur Rade de Cherbourg, eine der größten künstlich angelegten Reeden weltweit (Baubeginn 18. Jahrhundert, Inbetriebnahme im 19. Jahrhundert). Trotz des in Cherbourg ansässigen Marinearsenals, das wir ja auch in Wilhelmshaven hatten, sprang der Funke zu dieser Stadt nicht über.

Hafen mit Dorfcharakter…
Idylle…
…meets Stadthafen von Cherbourg-Octeville.
Klein, aber fein.
…meets Stadthaus.

Somit ließen wir Cherbourg hinter uns und fuhren vorbei am kleinsten Hafen Frankreichs, dem Port Racine in der Ortschaft Saint-Germain-des-Vaux (La Hague) sowie der umstrittenen Wiederaufbereitungsanlage, bei der wir uns gefragt hatten, wer denn wohl den ganzen Stacheldraht produzierte, der dort installiert war. Konsequent begleiteten uns grüne Weiden sowie schroff wirkende, imposante Felsformationen, die wahrscheinlich eine Menge zu erzählen hätten, würden wir sie verstehen.

Port Racine in Ste. Germain-des-Vaux (La Hague).
Weidelandschaft in La Hague.

Pointe des Groins

Ein abenteuerlicher Ritt war die Zufahrt zum Pointe de Groins, einer der äußersten Punkte der westlichen Normandie, die mit dem Auto erreichbar waren. Ein wunderbar ruhiges Plätzchen, an dem französische Insider ihre Mittagspause genossen. Wir verweilten nur kurz und machten uns weiter auf, in Richtung Barneville-Cateret.

Weg zum Pointe des Groins.
Der Chef mit Hände im Bunker am Ende der Welt.
Diese Bank lädt zum Träumen ein.
Wunderschönes Wohnhaus irgendwo im Nirgendwo.

Nez de Jobourg

Wie sooft auf unserer Reise kamen die schönsten Dinge spontan. Ich las auf einem Verkehrsschild Nez de Jobourg und rief „Rabbi, fahr mal bitte rechts ab. Von Nez aus können wir Jersey sehen.“ Daran sah man, wie schlecht ich vorbereitet war: wir sahen nicht auf Jersey, wir sahen die Insel Saint Anne. Aber bevor wir diesen wundervollen Ausblick genießen konnten, machte ich mir vor Angst fast in die Buxe.

Die Straße ging recht steil rauf. Logisch, dass es dann auch irgendwann wieder runter gehen musste. So schlau war ich nicht. An einer Abzweigung war links eine Sackgasse, rechts herum konnten wir nicht über den vor uns liegenden Hügel schauen. Die Straßenführung ließ sich nicht erkennen. Es wirkte eng und auf meiner Seite ging es ungebremst abwärts. Ich schrie nur noch „da kannst Du nicht langfahren“ – Rabbi antwortete entspannt: „Ich muss.!“

Der Blick auf die Bucht war der Hammer, keine Frage, aber ich brauchte ein wenig, um meinen Puls wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Wieder unterhalb des Meeresspiegels angekommen, entdeckten wir per Zufall einen kleinen Stellplatz von Sciotot und entschieden uns, zu bleiben.

Nachdem meine Hände aufhörten zu zittern, konnte ich endlich ein Bild von diesem fantastischen Blick machen.

Delphine am Strand von Sciotot

Für einen krönenden Abschluss des Tages nötigte ich Rabbi, mit einer guten Flasche Wein und mir, den Sonnenuntergang am Strand zu beobachten. Romantik undso – Ihr wisst schon, was wir meinten. Mit der Yogamatte unterm Arm ging es los. Jede Zelle in seinem Körper schrie „Boar Olschke, ich habe keine Lust!“

So, wie er mein stetiges Gequassel ignorieren konnte, besaß ich diese Fähigkeit insbesondere bei seinem Genöhle. Und, was sollten wir Euch sagen? Nach etwa 10 Minuten tat uns der Poppes weh und eigentlich hatte keiner von uns beiden noch Lust auf Strandfeeling. Das gaben wir natürlich nicht zu. Genau in dem Moment geschah etwas Einmaliges: wir konnten unseren Augen zuerst gar nicht trauen. Da schwammen doch tatsächlich Delphine an uns vorbei. Das war einfach geil.

Ein Delphin (Tümmler) machte anscheinend Faxen mit einem Herren, der im Wasser stand. In circa 20-30 Meter Entfernung sprühte er Fontänen und machte eine Art Kopfstand, sodass nur seine wackelnde Schwanzflosse zu sehen war. Während sich seine zwei Artgenossen mehr auf Distanz hielten, war dieser kleine Rabauke wohl der Draufgänger. Er rührte sich nicht von der Stelle, sondern war nur auf den Mann im Wasser fixiert. Irre. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Die wenigen Strandbesucher, die vor Ort waren, staunten. Als der Herr das Wasser verließ, schwammen die Delphine weiter. Ein Erlebnis, dass wir wohl alle so schnell nicht vergessen werden.

Nach diesem traumhaften Naturschauspiel, siegte der schmerzende Hintern und wir machten uns nun doch noch vor dem Sonnenuntergang auf den Weg zurück zur Elfie. Ok, die Pulle Wein war auch bereits leer…

Wassermelonen waren gestern: Der Schuhträger von Sciotot.
Wattwurm-AA.
Schuhe am Rinnsal (dämliche Bildunterschrift, aber fiel nix ein).

Hund, Pony, Schaf? – Koalabärhundeschaf!

Bevor wir für heute Schicht machen, lösen wir natürlich noch unser Versprechen ein: das Geheimnis um das Schaf von Cosqueville lüften.

Als wir am gestrigen Nachmittag unser Nachtlager in dem kleinen Örtchen Cosqueville aufschlugen, freuten wir uns über den tollen Platz. Direkt am Orteingang, neben einer Wiese, wenig Trubel. Einzig ein kleines weißes Wesen graste genüsslich vor sich hin. Mit seinem knappen Meter wirkte es recht stämmig. Es schenkte uns kaum Beachtung. Nachvollziehbar, denn das Gras sah wirklich appetitlich aus. Vorausgesetzt, man mag Gras.

Es war uns unmöglich, zu erkennen, um welche Art von Tier es sich handelte. Wir sahen nur sein Hinterteil. Infrage kamen Zwergpony, Schaf oder beides? Für ein Schaf hatte dieses weißes Knäuel einen zu langen Schweif bzw. Schwanz. Naja, es wurde langsam dunkel und so konnten wir das Rätsel abends nicht mehr lösen.

Heute morgen holte Rabbi sein Spionage-Fernglas heraus. Ich versuchte es derweil mit ein paar Nahaufnahmen: es schien sich tatsächlich um ein Schaf zu handeln. Aber sicher waren wir immer noch nicht. Das Gesicht war sehr klein und seine dunkle Nase wirkte wie die eines Koalas. Der Schweif wahr sehr buschig und reichte fast bis auf den Boden. Das Fell wollig, die Beine kurz, die Figur glich der eines Schweines oder eines Hundes mit Übergewicht.

Und?!

Jetzt glänzten wir beide nicht übermäßigen mit Biologie-Wissen. Hund und Schaf, diese Vorstellung war schon sehr schräg. Aber wie funktionierte das, wenn noch ein Koalabär dabei mitspielte? Aus Angst, die Bilder nicht mehr aus den Kopf zu bekommen, schoben wir diesen Gedanken schnell beiseite. Somit bleibt das Schaf von Cosqueville vorerst ein Mysterium. Wenn Ihr in der Nähe seid, besucht es mal. Aber seid gewarnt. Wir hatten heute morgen ominöser Weise einen dicken Haufen vor unserer Womo-Tür. Es scheint des Nächtens heimlich sein Unwesen zu treiben. Spooooky!

Von rabbi

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